Kopfschmerzen im Kindesalter sind keine Seltenheit.
Wenn sich Kinder beim Spielen plötzlich mit schmerzverzogenem Gesicht an den Kopf greifen, ist der Fall meist klar: Der Schädel brummt. 90 Prozent der Kinder unter zwölf Jahren hatten schon einmal Kopfschmerzen – meistens verschwinden diese nach kurzer Zeit. Doch die Tatsache, dass sich die Anzahl der „Brummschädel“-Patienten im Kindesalter in den vergangen 30 Jahren verdreifacht hat, erfüllt Experten mit Sorge. Zwölf Prozent der Schüler leiden unter besonders schmerzhaften Migräneattacken. Insgesamt sind eineinhalb Millionen deutsche Kinder von behandlungsbedürftigen Kopfschmerzen geplagt. Rund die Hälfte der betroffenen Kinder wird auch im Erwachsenen-Alter an Migräne leiden.
Ursache in veränderten Lebensumständen
Eine Ursache für die drastische Zunahme sehen Experten darin, dass sich die Lebensumstände der Kinder in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben: Statt an der frischen Luft mit Freunden zu spielen, verharren viele Heranwachsende lieber stundenlang vor der Spielkonsole oder dem Fernsehgerät. Hohe Anforderungen in der Schule und im Familienleben setzen den Nachwuchs zusätzlich unter Druck. Mit dem pochenden Schmerz im Kopf gehen oftmals Übelkeit, Konzentrationsschwäche sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit einher. Bei schweren Fällen von Migräne können Kinder aber auch an Lähmungen, Sprachstörungen, Halluzinationen und Taubheitsgefühlen leiden. Schon jedes fünfte Kind im Vorschulalter klagt über gelegentliche Kopfschmerzen. Rund 12 Prozent der Unter-Zwölfjährigen haben Migräne-Erfahrungen. Rund der Hälfte der betroffenen Kinder wird auch im Erwachsenen-Alter an Migräne leiden.
Wann ist eine Therapie nötig?
Ausschlaggebend für die Behandlung ist der Leidensdruck. Also nicht, wie stark die Kopfschmerzen sind, sondern wie stark das Kind darunter leidet und in seiner Entfaltung eingeschränkt ist. Sind Kopfschmerzen stark, lange anhaltend, wiederholt und führen zu häufigen Schulversäumnissen und sind mit der Einnahme von starken Medikamenten verbunden, dann ist eine Langzeit-Therapie angeraten. Bis zur Pubertät steigt, so die Beobachtung, der Leidensdruck bei Mädchen deutlicher an als bei Jungs, während bei jüngeren Kindern keine Unterschiede zu verzeichnen sind.
Typische Kinder-Migräne
Grundsätzlich zeigt Migräne bei Kindern die selben Symptome wie bei Erwachsenen. Allerdings können die Attacken kürzer als die medizinisch geforderte Dauer von vier Stunden sein, manchmal schlafen Kinder sogar während einer Attacke ein und wachen schmerzfrei auf. Ihnen schlägt die Migräne oft auf den Magen, das heißt sie zeigen Begleitsymptome im Magen-Darm-Trakt.
Tipps zur Vorbeugung
* Ermuntern Sie Ihr Kind, an der frischen Luft zu spielen, anstatt nur vor dem Fernseher oder Computer zu sitzen
* Schlafmangel kann bei Kindern Kopfschmerzen auslösen. Achten Sie auf ausreichende Ruhezeiten bei ihrem Kind
* Lassen Sie die Augen ihres Kindes regelmäßig vom Augenarzt überprüfen. Chronische Kopfschmerzen können als Folge eines Sehfehlers auftreten
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Achten Sie darauf, dass ihr Kind genug trinkt. Als guter Schutz vor Kopfweh eignen sich Tees, Mineralwasser oder frische Säfte.
Was tun bei Kopfschmerzen?
* Bringen Sie ihr Kind in einen abgedunkelten Raum und sorgen Sie für eine ruhige Umgebung
* Legen Sie ihrem Kind einen kalten Lappen auf die Stirn und reiben Sie Schläfen, Scheitel und Nacken sanft mit Pfefferminzöl ein
* Bei wiederkehrendem Schmerz sollten Sie ein Schmerztagebuch führen . Es kann dem Arzt gezielte Informationen liefern und Schmerzquellen aufdecken. Es enthält Angaben zu Symptomstärke, Begleitsymptomen, Auslöser und Auswirkungen und sollten über vier bis sechs Wochen geführt werden.
* Medikamente sollten Sie ihrem Kind nur in Absprache mit ihrem Arzt verabreichen. Aspirin eignet sich wegen seiner Nebenwirkungen nicht für Kinder
Chronischen Schmerzen vorbeugen
Wenn das penetrante Hämmern im Schädel nicht aufhören will und regelmäßig auftritt, ist eine ärztliche Behandlung von Nöten. „Kopfschmerzen sollte man nicht herunterspielen. Je früher man etwas gegen die Schmerzen unternimmt, desto besser stehen die Chancen, dass sie nicht chronisch werden“, meint Jens Christian Berggreen, Gesundheitsexperte für Kinder und Jugendliche beim Deutschen Ring. Bei der Behandlung setzen Ärzte vermehrt auf Therapien ohne Medikamente. Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, autogenes Training, Qigong oder ein spezielles Kopfschmerz-Training lindern den Schmerz genauso gut wie Biofeedback oder eine elektromedizinische Reizstromtherapie mit einem sogenannten TENS-Gerät. Doch die Kosten für diese Behandlungen werden meist nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Tabletten und Übelkeit
Das Problem vieler Kinder mit Migräne ist, dass ihnen so übel ist, dass sie Tabletten gar nicht schlucken können oder eingenommene Tabletten wieder brechen müssen. Gemeisnam mit dem behandelnden Arzt muss hier nach Lösungen gesucht werden.
Quelle: t-online
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